Konkurrenten der Deutschen Post bezahlen ihren Briefträgern und Paketzustellern teilweise nur 1 000 Euro brutto im Monat oder sogar weniger. Das berichtet der General-Anzeiger aus Bonn (GA) unter Berufung auf ihm vorliegende Arbeitsverträge. In einigen der auch noch befristeten Verträge werden wöchentliche Arbeitszeiten von "mindestens 45 Stunden" gefordert, so die Zeitung weiter. Das entspreche Stundenlöhnen von fünf Euro brutto.
Als "Elendsspirale, die nach unten offen ist", kritisiert Volker Geyer, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft DPV, die Arbeitsbedingungen bei einigen Post-Konkurrenten: "Hier findet ein Wettbewerb über Billiglöhne statt, bei dem der Steuerzahler die Zeche zahlt." Denn die Niedriglöhne führen dazu, dass Postzusteller trotz Vollzeitstelle auf ergänzende ALG-II-Zahlungen angewiesen sind.
Geyer sagte dem GA weiter: "Von bundesweit 900 000 Beschäftigten, die staatliche Lohnzuschüsse bekommen, arbeitet ein großer Teil in der Logistikbranche." Es sei unverständlich, dass die Bundesnetzagentur Lizenzen vergebe, die es Firmen ermöglichten, für Stundenlöhne von fünf Euro Briefe austragen zu lassen.
Eine Sprecherin der Pin Group in Luxemburg sagte dem GA, das Lohnniveau der verschiedenen Pin-Gesellschaften solle "harmonisiert" werden. Stephan Teuscher, Tarifexperte bei der Gewerkschaft Ver.di, bestätigte Vorverhandlungen mit Pin zu Tarifvereinbarungen, welche für bessere Arbeitsbedingungen sorgen sollen. "Wir sind der Meinung, dass das so nicht geht."
Mittlerweile zieht auch die Deutsche Post AG nach. Neben Personalabbau in bisher nicht genanntem Ausmaß will die DPAG über Outsourcing Personalkosten sparen: Die Zustellung in weiteren 280 Paketbezirken wird sie an Fremdfirmen vergeben. Bisher sind bereits 600 von rund 5 000 Paketbezirken ausgelagert. Außerdem sollen voraussichtlich 6 000 Arbeitsplätze von Postboten in Teilzeitstellen umgewandelt werden.