Der frühere Vorstandschef des angeschlagenen Postdienstleisters PIN hat die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) finanziert. Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Donnerstag im Internet. Die Zeitung beruft sich auf Erkenntnisse des Insolvenzverwalters Bruno M. Kübler, der damit wiederum einen Bericht des Magazins DER SPIEGEL bestätigte.
Kübler berichtet, es lägen Unterlagen vor, nach denen bis zum 10. Dezember 2007 Zahlungen von der PIN-Holding in Höhe von 133.526,69 Euro über einen Umweg an die GNBZ geflossen seien. Bestätigt sieht sich auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die der GNBZ Bestechlichkeit vorwirft. ver.di reichte im März 2008 deswegen Strafantrag gegen die GNBZ ein.
Die GNBZ wurde im Oktober 2007 im Konflikt über einen Mindestlohn für Postdienstleister gegründet. Sie versteht sich als Fachgewerkschaft für die Mitarbeiter der neuen Postunternehmen. Der Bundesverband der Kurier-, Express- und Postdienste (BdKEP), der die neuen Postunternehmen organisiert, hatte unter den Mitarbeitern offensiv für die Mitgliedschaft in der GNBZ geworben und mit ihr einen Mindestlohn vereinbart, der weit unter dem lag, der durch ver.di und die Deutsche Post ausgehandelt wurde und jetzt per Entsendegesetz allgemeingültig beschlossen wurde.
"Wir waren offensichtlich auf der richtigen Fährte mit unserem Verdacht. Jetzt muss dem Spuk dieser Pseudogewerkschaft ein Ende bereitet werden", zitiert die FAZ die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. Kübler und die amtierenden Verwaltungsräte waren auf eine Rechnung einer Beraterkanzlei gestoßen, die mit dem Betreff "Pin Group AG wg. Gewerkschaft" versehen war. Die ausgewiesenen Zahlungen hätten nur wenige Tage nach Gründung der GNBZ im Oktober 2007 eingesetzt.
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